Montag, 16.04.2018, 19:30 Uhr
Meister Eckhart (1260 bis 1328)

Christliche Mystiker heute gelesen – 6. Abend

In dieser neuen Reihe werden einige Klassiker der christlichen Mystik vorgestellt, gelesen und meditiert. Denn Mystiker haben die Fähigkeit, die großen Themen der Religion bildhaft und emotional intensiv nachzuerleben (credo ut experiar).

Eckhart trat in Erfurt in das Kloster der Dominikaner ein, er machte das Grundstudium (studium generale) in Köln und studierte danach die Theologie in Paris. Dort wurde er zum Magister der Theologie (Professor) ernannt und lehrte die Theologie. Nach einiger Zeit wirkte er als Priors eines Ordens in Erfurt, in Böhmen und in Sachsen. Zuletzt war er als Prediger in einem Frauenkloster in Straßburg tätig. Wegen seiner mystischen Gotteslehre wurde er als Häretiker bei der Inquisition des Papstes angeklagt, nach seinem Tod wurden mehrere Sätze seiner Lehre als häretisch verurteilt. Seine Schriften verfasste er in deutscher und in lateinischer Sprache: Buch der göttlichen Tröstung; Vom edelen Menschen; Opus tripartium; Opus sermonum. Auch er folgte den Lehren der Neuplatoniker, für ihn war Gott das “Ureine”, aus dem die Welt und der Kosmos fließen. Damit ist die Welterschaffung ein ewiger Prozess in der Gottheit. Durch die mystischen Erfahrungen können wir Menschen in Verbindung mit dem göttlichen Ureinen treten. Wir können die Gottheit als das ewige Sein denken, oder aber im Bild eines menschlichen Vaters. Die Mystiker nähern sich in der Ekstase dem göttlichen Geheimnis an (unio mystica), damit können sie das Leben besser bestehen. In jedem Menschen ist ein göttlicher Lichtfunke, der voll zum Glühen kommen soll. Wir können der Gottheit mit unserem Verstand und mit unseren tiefen Gefühlen begegnen.
An diesem Abend werden Texte aus dem “Buch der Tröstungen” gelesen und vor dem Hintergrund der modernen Psychologie und der Gehirnforschung interpretiert. Den Abschluss bildet eine Bibelmeditation zu Szenen aus dem Neuen und dem Alten Testament.

ReferentInnen

A.o. Univ.-Prof. Dr. Anton Grabner-Haider, Institut für Philosophie der KFU Graz, zahlreiche Veröffentlichungen, u.a.: Kulturgeschichte des frühen Christentums: Von 100 bis 500 n.Chr (mit Johann Maier, 2008); Hitlers mythische Religion: Theologische Denklinien und NS-Ideologie (2007).

Dr. Bettina Scharfetter, Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutische Medizin (Psy-Diplome ÄK), Psychotherapeutin (KIP, TFP), Supervisorin (ÖVS) Kinesiologin nach Dr. Klinghardt.

Teilnahmebeitrag: € 7,00


Glauben &
Denken
Lebensbegleitung &
Spiritualität
Vortrag und Gespräch / Kursnummer: 18-82