Montag, 28.05.2018, 19:30 Uhr
Simone Weil (1909 bis 1943)

Christliche Mystiker heute gelesen – 7. Abend

In dieser Reihe werden einige Klassiker der christlichen Mystik vorgestellt, gelesen und meditiert. Denn Mystiker haben die Fähigkeit, die großen Themen der Religion bildhaft und emotional intensiv nachzuerleben (credo ut experiar).

Simone Weil war die Tochter einer liberalen jüdischen Familie in Paris und besuchte dort eine Eliteschule. Nach dem Abitur studierte sie an der Sorbonne Philosophie und wirkte als Gymnasiallehrerin an verschiedenen Schulen der Stadt. Als sie die Schriften des Frühsozialisten Pierre Proudhon las, engagierte sie sich politisch für die Situation der Arbeiterschaft in ganz Frankreich. Sie arbeitete selber in einer Fabrik und nahm eine geistige Beziehung zu Albert Camus auf, der ihre Tagebücher veröffentlichte. Nach der deutschen Besetzung von Paris ging sie in den Untergrund, im Jahr 1942 floh sie nach London, wo sie ein Jahr später starb. Sie litt zeit ihres Lebens an schweren Kopfschmerzen, doch sie wollte diese Schmerzen innerlich verwandeln. Sie trennte sich vom jüdischen und christlichen Gottesbild und lebte als eine atheistische Mystikerin. Sie glaubte an das Göttliche in der Welt, aber an keinen persönlichen Gott. Bis zu ihrem Tod durch selbstverschuldete Unterernährung stand sie auf der Seite der Schwächeren, der Leidenden, der Ausgegrenzten. Ihre innere Einstellung drückte sie in ihren Werken „Schwerkraft und Gnade“, sowie „Das Unglück und die Gottesliebe“ aus. Simone Weil gilt als atheistische, aber religiöse Mystikerin, die nie die Schwelle zur christlichen Kirche überschritten hat. Doch sie hat mit ihrem Denken viele Theologen und Philosophen angeregt.
An diesem Abend werden Texte aus „Schwerkraft und Gnade“ gelesen und vor dem Hintergrund der modernen Psychologie und der Gehirnforschung interpretiert. Den Abschluss bildet eine Bibelmeditation zu Szenen aus dem Neuen oder dem Alten Testament.

ReferentInnen

A.o. Univ.-Prof. Dr. Anton Grabner-Haider, Institut für Philosophie der KFU Graz, zahlreiche Veröffentlichungen, u.a.: Kulturgeschichte des frühen Christentums: Von 100 bis 500 n.Chr (mit Johann Maier, 2008); Hitlers mythische Religion: Theologische Denklinien und NS-Ideologie (2007).

Dr. Bettina Scharfetter, Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutische Medizin (Psy-Diplome ÄK), Psychotherapeutin (KIP, TFP), Supervisorin (ÖVS) Kinesiologin nach Dr. Klinghardt.

Teilnahmebeitrag: € 7,00


Glauben &
Denken
Lebensbegleitung &
Spiritualität
Vortrag und Gespräch / Kursnummer: 18-83